Schöten

Apolda feiert in diesem Jahr 900 Jahre Ersterwähnung. Wir schauen in die Ortsteile, die unsere Stadt ausmachen. Heute möchten wir Ihnen Schöten vorstellen.

Zu Füßen der malerischen Dorfkirche in Schöten steht Bürgermeister Bernd Ehrenberg vor dem bedeutendsten Wahrzeichen des kleinen Ortsteils: Der in Stein gefasste Brunnen mit einem stilisierten Drachenkopf hat die 240-Seelen-Gemeinde weit über die Grenzen des Weimarer Landes hinaus bekannt gemacht. Der Sage nach soll an dieser Stelle einst ein Lindwurm gehaust haben, der vom Sumpfgebiet um Schöten aus die Gegend unsicher machte – bis er schließlich vom Knappen Veit erschlagen wurde. „Wir haben immer wieder Besucher aus ganz Deutschland, die die Geschichte kennen und deshalb Schöten einen Besuch abstatten.“ Nicht nur beim alljährlichen ­Brunnenfest – neben der Maibaumsetzung das wichtigste Ereignis im Jahres­kalender des Dorfes – wird dieser Sage gedacht. An der 900-Jahr-Feier Apoldas werden die Schötener mit dem Jugend- und Heimatverein, dem einzigen Verein im Ort, ebenfalls als Drachen verkleidet teilnehmen. Sogar eine musikalische Uraufführung ist in diesem Jahr geplant: Der Schötener Orgelfachmann Ingo Reimann hat die Lindwurmsage eigens zum Jubiläum auf der Orgel in der Kirche vertont. Als Ausflugsziel ist Schöten ebenfalls beliebt, dank der nach dem Ort benannten Promenade, die hier endet.

Glocken per Hand geläutet

Bernd Ehrenberg selbst bezeichnet sich gern scherzhaft als „Mädchen für alles“. Neben seiner Tätigkeit als Bürgermeister, die er mit der kommenden Wahl niederlegen wird, ist er weit und breit auch der vermutlich einzige katholische Küster in einem evangelischen Gotteshaus. Regelmäßig kümmert er sich um die Wartung der altehrwürdigen Kirchturmuhr, zu den Gebetszeiten läutet er noch per Hand die Glocken. Das im klassizistischen Stil gebaute Pfarrhaus ist eine weitere Attraktion des Ortes, dem vermutlich letzten Projekt des großherzoglichen Oberlandbaumeisters Clemens Coudray (1775–1845).

Lange Geschichte

Angefangen hat die Geschichte Schötens als eines von mehreren Klosterdörfern, die für die Versorgung der umliegenden Klöster verantwortlich waren. 1780 wurde fast der gesamte Ort bei einem großen Feuer vernichtet, nur vier Häuser blieben unversehrt. Der Wiederaufbau erfolgte rasch, über die Jahre siedelten sich immer mehr Handwerker an. „Früher war hier im Ort eigentlich jedes Handwerk vertreten“, erklärt Bernd Ehrenberg. Übrig ist davon heute aber nicht mehr viel, im Ort haben sich etwa acht mittelständische Betriebe und ein Gasthaus am Ortsrand erhalten. Die größte Erweiterung gab es mit der Ausweisung eines neuen Baugebiets im Jahr 1994, das die Einwohnerzahl von 180 auf gegenwärtig 240 anwachsen ließ.

Beliebter Wohnort

Bis heute sei Wohnraum in Schöten sehr gefragt, erläutert der parteilose Bürgermeister. „Ich bekomme immer wieder Anrufe, ob hier Bauplätze oder Häuser zum Verkauf stehen.“ Der Ort profitiert von der Nähe zur Autobahn, Weimar und Jena sind so einfach und bequem erreichbar. Schöten kann zudem mit einer schnellen Glasfaseranbindung punkten. Die Einwohnerzahl ist deshalb seit Jahren konstant, Leerstand ein Fremdwort. „Wohnen im Grünen und Arbeiten in der Stadt – das spricht viele an.“ Allerdings bringt das auch ein paar Schattenseiten für den Ort: „Der Zusammenhalt ist leider nicht mehr wie früher, weil viele Leute außerhalb arbeiten und sich nicht mehr so mit Schöten identifizieren.“ Ein kleines Beispiel dafür: Als vor einigen Jahren die Stadtwerke Apolda die Stromversorgung des Ortes über­nahmen, wurde ein spezielles Angebot geschaffen. Für jeden Schötener, der zur Energieversorgung Apolda wechselt, gibt es seitdem einen Bonus für die Stadtkasse.
„Ich würde mir wünschen, dass so etwas stärker genutzt wird, Anwendungs­möglichkeiten für das Geld gäbe es ­viele.“ Bei Großprojekten wie der Renovierung der Kirche 1993 habe sich der „Schötener Geist“ aber dann doch wieder gezeigt. Zurzeit kämpfen die Schötener um eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Andreas Göbel/ ag-wort.de